Der Glasfaserausbau in Deutschland schreitet weiter voran. Nach der aktuellen BREKO Marktanalyse 2026, die gemeinsam mit IW Consult erstellt wurde, waren zum 30. Juni 2026 rund 62 Prozent der Haushalte und Unternehmen mit Glasfaser erreichbar. Das entspricht 28,7 Millionen sogenannten „Homes Passed“.
Die tatsächliche Anschlussquote entwickelte sich dagegen deutlich langsamer und lag bei 29,8 Prozent. Die Take-up-Rate – also der Anteil der Haushalte, die einen verfügbaren Glasfaseranschluss auch tatsächlich nutzen – liegt weiterhin bei rund 27 Prozent.
Neben der Nachfrage beschäftigen die Branche vor allem steigende Bau-, Material- und Finanzierungskosten. Der erstmals erhobene BREKO-Geschäftsklimaindex weist auf ein angespanntes Investitionsumfeld hin. Damit verschiebt sich der Fokus zunehmend vom reinen Netzausbau hin zur Aktivierung und wirtschaftlichen Nutzung bereits errichteter Infrastruktur.
Mit zunehmender Glasfaserverfügbarkeit gewinnt auch die Frage an Bedeutung, wie der langfristige Übergang von bestehenden Kupfernetzen auf Glasfasernetze gestaltet werden soll.
In der BREKO Marktanalyse geben 78 Prozent der befragten Netzbetreiber an, dass ein wettbewerbskonformer und regelgebundener Technologiewechsel einen Anreiz für weitere Investitionen darstellen würde.
Nach Angaben des BREKO besteht bei rund 19,9 Prozent aller bereits mit Glasfaser erreichbaren Adressen eine so hohe Glasfaserdichte, dass aus Sicht des Verbandes ein geordneter Übergangsprozess grundsätzlich eingeleitet werden könnte. Entscheidend ist dabei ein diskriminierungsfreier und verlässlicher Rahmen, der Verbraucherinteressen, Wettbewerb und bereits getätigte Investitionen berücksichtigt.
Das Bundesverwaltungsgericht hat mit seinem Urteil vom 25. Juni 2026 wichtige Fragen zum Open-Access-Anspruch nach § 155 TKG geklärt. Demnach endet die Verpflichtung zur Gewährung eines offenen Netzzugangs bei öffentlich geförderten Telekommunikationsnetzen nicht automatisch mit dem Ablauf der förderrechtlichen Zweckbindungsfrist.
Neben neu errichteter geförderter Infrastruktur können auch bereits vorhandene Leerrohre vom Zugangsanspruch erfasst sein, wenn sie eine entsprechende Funktion innerhalb des geförderten Netzes erfüllen.
Darüber hinaus können Kosten für die Erstellung eines konkreten Zugangsangebots grundsätzlich gegenüber dem Zugangsnachfrager geltend gemacht werden. Für kommunale und geförderte Netze schafft die Entscheidung damit zusätzliche Klarheit über Umfang und Grenzen der Open-Access-Verpflichtungen.
Mit mehreren Fachveranstaltungen stehen im Herbst wichtige Termine für die Glasfaser- und Telekommunikationsbranche an.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem der Glasfaserausbau in Baden-Württemberg, Netzresilienz, kommunale Ausbaukoordination, neue Verlegemethoden sowie technologische Entwicklungen wie Satellitenkommunikation, 6G und Edge Cloud.
Thematisch geht es insbesondere um Investitionen in digitale Infrastrukturen, die Beschleunigung von Glasfaserausbau und -nutzung sowie die weitere Entwicklung des Telekommunikationsmarktes.
Die wirtschaftliche Situation der Deutschen Glasfaser hat in den vergangenen Monaten für Aufmerksamkeit in der Branche gesorgt. Ein Bericht der WirtschaftsWoche vom 31. August 2026 beschreibt eine umfassende Rekapitalisierung des Unternehmens. Eigentümer und Kreditgeber haben die Kapitalstruktur neu geordnet und mehr als 1,2 Milliarden Euro zusätzliches Kapital bereitgestellt.
Gleichzeitig wurde die bestehende Verschuldung von rund 6,9 Milliarden Euro neu strukturiert. Damit konnte die unmittelbare Finanzierungssituation zunächst stabilisiert und eine langfristigere Finanzierungsperspektive geschaffen werden.
Die grundlegende wirtschaftliche Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Bereits gebaute Glasfasernetze müssen stärker ausgelastet und mehr Anschlüsse tatsächlich aktiviert werden. Für Ende 2025 wird eine Aktivierungsquote von 29,9 Prozent genannt, während rund 40 Prozent angestrebt worden waren. Gleichzeitig warteten den vorliegenden Angaben zufolge rund 650.000 Kundinnen und Kunden mit Vorverträgen noch auf ihren Anschluss.
Für 2025 werden zudem ein EBITDA von 259 Millionen Euro und eine Zinslast von 327 Millionen Euro ausgewiesen.
Die Restrukturierung verschafft der Deutschen Glasfaser damit vor allem Zeit. Der Schwerpunkt soll künftig stärker auf Kundengewinnung, Vermarktung und der Nutzung bereits errichteter Infrastruktur liegen. Als entscheidender Zeitraum für die weitere Entwicklung gilt insbesondere die Zeit bis 2028.
Die aktuelle Entwicklung bestätigt auch die Einschätzung der BOKG, dass Ortsteile, in denen bislang noch kein Netzausbau durch die Deutsche Glasfaser begonnen wurde, voraussichtlich nicht mehr wie ursprünglich angekündigt fertig ausgebaut werden.
Im Rahmen des Markterkundungsverfahrens 2026 hat die BOKG von der Deutschen Glasfaser Abmeldungen für insgesamt 24.995 Gebäude erhalten.
Nach Aussagen der Deutschen Glasfaser besteht darüber hinaus die Möglichkeit, dass auch bereits fertiggestellte Netzbereiche nicht mehr in Betrieb genommen werden. Als Hintergrund werden erhebliche Schwierigkeiten mit dem Generalunternehmen Geodesia genannt.
Die BOKG prüft daher aktuell, ob bereits errichtete, aber nicht mehr in Betrieb genommene Infrastrukturen künftig förderfähig werden können. Gleichzeitig wird geprüft, ob die BOKG solche vorhandenen Infrastrukturen gegebenenfalls von der Deutschen Glasfaser erwerben und für den weiteren Glasfaserausbau nutzen kann.
Das Gigabitbüro des Bundes bietet Kommunen umfangreiche kostenfreie Informations-, Beratungs- und Weiterbildungsangebote rund um den Glasfaser- und Mobilfunkausbau.
Das Schulungsprogramm deckt nahezu den gesamten Projektzyklus ab: von den Grundlagen des Gigabitausbaus über Potenzialanalysen, kommunales Projektmanagement und Genehmigungsverfahren bis hin zu Bauüberwachung, technischen Verlegemethoden sowie Gebäudenetzen und der Inhouse-Verkabelung auf der Netzebene 4.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Bürgerkommunikation. Neben entsprechenden Schulungen stehen Informationsmaterialien und Vorlagen zur Verfügung. Darüber hinaus können gemeinsam mit Kommunen digitale Glasfaser-Informationsveranstaltungen durchgeführt werden.
Die Angebote können insbesondere dabei unterstützen, eigene Ausbauprojekte fachlich zu begleiten und Bürgerinnen und Bürger verständlich über den Glasfaserausbau zu informieren.
Das Land Baden-Württemberg hat sein Informationsangebot zur digitalen Infrastruktur um ein interaktives Kartentool erweitert.
Dieses bietet einen Überblick über die aktuelle Gigabitversorgung und enthält darüber hinaus Prognosen zur weiteren Entwicklung des Gigabitausbaus. Die Darstellung kann von der Landes- und Landkreisebene über einzelne Kommunen bis auf die Straßenebene heruntergebrochen werden.
Das Land Baden-Württemberg bündelt verschiedene Informations- und Unterstützungsangebote für Kommunen rund um Breitband, Mobilfunk und Satellitenkommunikation.
Zur Verfügung stehen unter anderem Informationen zum OZG-Breitbandportal, zum Mobilfunk-Standorterfassungstool und zur Abrechnung von Breitbandförderprojekten. Ziel ist es, kommunale Akteure bei Planung, Umsetzung und Begleitung von Projekten der digitalen Infrastruktur zu unterstützen.
Auch die Unterlagen der vierten digitalen Workshopreihe „Digitale Infrastruktur“ stehen weiterhin zur Verfügung. In fünf Veranstaltungen wurden 2026 unterschiedliche Themen aus Telekommunikation, Tiefbau, Luft- und Raumfahrt sowie Verwaltung behandelt.
Mit der Veröffentlichung der Verwaltungsvorschrift zur Gigabitmitfinanzierung hat Baden-Württemberg die landesrechtliche Grundlage für die weitere Mitfinanzierung von Gigabitförderprojekten geschaffen.
Nach Angaben des Landes wurden dabei keine inhaltlichen Änderungen vorgenommen. Die Laufzeit der bestehenden Regelungen wurde bis zum 31. Dezember 2028 verlängert.
Der Förderaufruf des Bundes für das Jahr 2026 endete am 15. September. Für Kommunen bleiben die Förderbedingungen und die weitere Entwicklung der Förderkulisse damit auch in den kommenden Jahren ein wichtiges Thema.